Kleines Zwischenfazit

Wie sich die Stimmung in Hamburg binnen weniger Tage ändern kann. Nach dem Pokalspiel und dem ausscheiden in Osnabrück gegen den VFL haben viele regelrecht Panik geschoben. Alles wurde kritisiert und nieder gemacht. die Transfer unüberlegt und überteuert, die nicht erfolgte „Kaderbereinigung“ in Hinblick auf die Personalkosten, der Abgang vom großen Talent Gregoritsch für nur ca. 5 Mio Euro Ablöse nach Augsburg, der Sohn vom ehemaligen HSVer Nico Jan Hoogma wechselt nach Hoffenheim und nicht zum HSV, mit van Drongelen wird ein Spieler geholt, den man nur zufällig während eines Testspiels im Trainingsspiel gesehen hat, mit Thoelke ein Spieler von einem Absteiger der 2. Liga geholt, der als Profi gescheitert sei, mit Pollersbeck für einen Torwart ohne Not Millionen verschleudert. Dann kam auch noch ein unzufriedener Klaus Michael Kühne daher und „pöbelte“ in bester „ich-bin-gefrusteter-HSV-Fan-und-kotze-mich-mal-richtig-aus“ daher und sprach von „Luschen“. Es war also alles bereitgemacht für einen Fehlstart in die Liga. „Jetzt wird es uns ganz sicher erwischen“ hallte es durch die sozialen Netzwerke…

Jetzt steht der HSV nach Abschluss des 2. Spieltages mit 2 Siegen auf Platz 3 und hat 6 Punkte Vorsprung auf Platz 16. Sozusagen Tabellenführer des Restes nach Bayern und Dortmund 😉 Eine schöne Momentaufnahme.  Nach dem erwartet schweren Spiel gegen Augsburg und dem 1-0 Heimerfolg, folgte ein besseres Auftreten und ein absolut verdienter Auswärtssieg in Köln. Hoffen wir, dass sich unsere Nationalspieler jetzt in der Länderspielpause nicht verletzen. Die Auftritte in der Liga mache Mut und Lust auf den 3. Spieltag. Dort dürfen wir dann in den ersten Minuten zumindest wieder ein Blick auf die Tabelle werfen und die Tabellenführung genießen. Es wird ein sehr schwieriges Spiel gegen eine starke Mannschaft aus Leipzig.

Ich muss gestehen, dass ich in dieser Transferphase wenig bis gar nicht verfolgt habe, was so passiert ist oder passieren sollte außerhalb des HSV. Natürlich habe ich den größten Teil der Nachrichten und Spekulationen zum HSV gelesen. Oft genug aber den Kopf geschüttelt und mich noch öfters amüsiert.  Stand heute bin ich aber sehr zufrieden und ich sehe bisher auch keine Entscheidung, die ich nicht nachvollziehen kann.

Das leidige Kapitel Klaus-Michael Kühne. Puh. Was hat er nicht alles vom Stapel gelassen. Aber was steckt hinter diesen Äußerungen? Ich kann es nicht genau sagen. Wenn ich mir aber die Aussagen noch mal in Ruhe durchlese, so denke ich, dass ihm einiges nicht passt, was der HSV in der Transferphase gemacht bzw. nicht gemacht hat.  Direkte Einflussnahme ins operative Geschäft? Man kann es nicht nachweisen, aber ich denke, dass er in den vergangenen Jahren mehr eigenen Willen durchsetzen konnte, wie jetzt in der jüngsten Vergangenheit. Aber ich will auch gar nicht so sehr ins Detail gehen. Dieses Thema spaltet eh die HSV Gemeinde. Viele Meinungen haben sich verfestigt…

Wo sich der Großteil einig ist: Der HSV muss versuchen, sich schnellstmöglich von Kühne und seinen immer wieder notwendig gewordenen Millionendarlehen lösen. Aber wie soll dieses gelingen?

In meinen Augen ist der HSV schon dabei und hat sich eine Strategie auferlegt. Auf der einen Seite muss die Mannschaft verstärkt werden. Durch die größtenteils ablösefreien Abgänge (Djourou, Adler, Ostrzolek) ging eine gewisse Qualität verloren. Die Kassen waren leer. Ganz leer. Durch die Einnahmen bei dem Transfer von Gregoritsch nach Augsburg kamen ca. 5,5 Mio in die Kasse. Was also tun? Man hat sich der unter Beiersdorfer getroffenen Vereinbarung mit Kühne bedient und diese Fortgeführt. Aber es wurden keine absurden Ablösesummen gezahlt.

Hahn (6,0 Mio) für Gregoritsch –> Ein Qualitätsgewinn, da Hahn deutlich besser ins von Gisdol favorisiertes Spielsystem passt und deutlich fexibler einsetzbar ist.

Papadopoulus –> Nach der Leihe wurde ein marktüblicher Preis an Leverkusen überwiesen. Auch, was wir sicher alle hoffen, wenn sich die Zahlung aufgrund Einsätze noch erhöhen könnte, halte ich die Zahl für absolut sinnvoll. Aufgrund der Verletzungen bei Papadopolous  in den vergangenen Jahren, ist dieser Transfer natürlich ein Risiko. Hoffen wir also, dass der HSV einen Nachschlag zahlen muss.

Pollersbeck –> ca. 3,5 Mio gingen als Ablöse nach Kaiserslautern. Bei diesem Transfer bin ich etwas unsicher. Auf der einen Seite musste  ein weiterer Torwart verpflichtet werden. Auf der anderen Seite hätte es vielleicht auch anderer, günstiger Torwart getan? Das Pollercbeck durchaus Qualität hat zeigte sein Einsatz im Sommer bei der U21 EM, wo er als Stammtorwart zum Titelgewinn einen großen Teil beisteuerte. Hinzu haben die Verantwortlichen wohl auch die Talentschmiede Kaiserslautern im Hinterkopf gehabt. Aktuell könnte man auf alle Fälle sagen, dass es Mathenia nicht geschadet hat, sondern vielleicht sogar einen weiteren Schub gegeben hat.

Rick van Drongelen – 3 Mio hat der HSV zahlen müssen. Und die ersten Eindrücke waren wirklich sehr gut. Aufgrund der Tatsache, dass Gisdol im Moment das Gefühl hat, Santos sei nicht frei im Kopf aufgrund des möglichen Wechsels, hat er 2x auf ihn verzichtet und van Drongelen auf seine „Nebenposition“ eingesetzt. Dieses hat er mit seinen 18 Jahren eindrucksvoll umgesetzt. Seine Hauptposition ist aber eigentlich die Innenverteidigung.

Thoelke – Kam ablösefrei aus Karlsruhe. Jens Todt kennt ihn bereits aus Wolfsburger Zeiten. Neben Papa, Mavraj, van Drongeen ist er die 4. Kraft. Mit einem Einjahresvertrag ist das Risiko der Verpflichtung sehr, sehr gering. In de Vorbereitungsspielen konnte er bereits überzeugen, bis ihn eine Verletzung zurück warf.

Auf der linken Abwehrseite wäre eine zusätzliche Verpflichtung wünschenswert. Bei einem Wechsel von Santos eigentlich sogar 2 LVs… Mehr ist nicht zwingend notwendig.

Und wo ist jetzt die Strategie?

Während wir in den vergangenen Jahren vermeintliche Starspieler mit langen Verträgen und hohen Gehältern ausgestattet haben, so ist in meinen Augen jetzt zum einen Entwicklungspotential im Kader und zum anderen haben wir einige interessante Spieler, die in Zukunft dafür sorgen könnten, dass auch wir vom großen Ablösewahnsinn auch mal wieder ein Stück Kuchen abbekommen könnten. Sicher nicht mit astronomischen Summen. Aber für Spieler wie Wood, van Drongelen, Pollersbeck, Jatta, Waldschidt, Walace, Jung, Kostic gibt es in meinen Augen einige S an Entwicklungspotential. Dazu weitere gute Spieler mit Perspektive, die sicher ihre Chancen bekommen werden. So wie sie Jatta in der vergangenen Saison genutzt hat und anstatt ausgeliehen zu werden, gehört er jetzt zum Kader. Dazu noch Arp und Janjicic.

Nochmal in Kurzfassung zur Strategie: Durch gezielte Investitionen die Kaderqualität erhöhen, mit dem Ziel, die Klasse möglichst früh zu halten und in der Tabelle langsam nach oben zu Klettern, um mehr Geld aus dem TV Topf zu generieren. Durch Erfolg die Werbeeinnahmen weiter zu erhöhen und durch Transfererlöse dann weitere Einnahmen zu generieren. Wie soll man sich sonst von Kühne lösen können? Ein Sofortverzicht hätte bedeutet, auf Neuzugänge wie Papa, Hahn und Pollersbeck zu verzichten. Dazu sehe ich den Kader aber noch nicht bereit. Aus meiner Sicht wäre das Risiko eines Abstieges zu hoch gewesen. Es passiert jetzt egentlich das, was die Aufgabe von Beiersdorfer war. Bedachte Investitionen. Dieses ist leider gründlich gescheitert. Es wird die letzte Chance sein, sich unabhängiger zu machen. Bis dahin müssen wir (leider) immer wieder mit solchen Aktionen a la Kühne leben…

Am Donnerstag, dem Tage des Transferschluss in der Bundesliga, werde ich eine neue Folge des podcast „HSV-Klönstuv“ aufnehmen und über die Transfers beim HSV sprechen.

Nur der HSV

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